Abpfiff auf Westwind 2016

Aus,aus,aus,– aus !! — Das Spiel ist aus ! — WESTWIND ist Weltmeister!

Die Preisjury des WESTWIND2016 zeichnet aus:

… mit dem dritten Preis des 32. Theatertreffens Nordrhein-Westfalen für Junges Publikum, Westwind, die Schauspielerin Pola Jane O’Mara, den Schauspieler Patrick Dollas und den Schauspieler Rafael-Evitan Grombelka.

Theater lebt von der wahrhaftigen Begegnung zwischen den Darstellenden und dem Publikum. Pola Jane O’Mara, Patrick Dollas und Rafael-Evitan Grombelka laden uns ein, uns mit ihnen zu verbinden. Ihr Charisma und ihre Schauspielkunst – ihr ununterbrochenes Bewußtsein für die Anwesenheit des Publikums verleihen ihnen eine Präsenz, die über die Inszenierungen hinausstrahlt. Man bekommt große Lust, mit ihnen zu arbeiten. Ob sie als Spinne mit Skistöcken und Pumps oder als die beiden hasenköpfigen Mädchen im gepunkteten Kleid auftreten, als Humpty-Dumpty, Hutmacher oder Astronaut – immer sind bei sich. Und bei uns.

einzelpersonen

Wir zeichnen aus mit dem zweiten Preis des 32. Theatertreffens Nordrhein-Westfalen für Junges Publikum, Westwind, die Inszenierung „TIGERMILCH“, Comedia Theater Köln.

Wir sehen zwei Freundinnen, die sich selbst suchen. Sie ringen um Wärme, Nähe und Identität in einer kalten Welt. Sie üben das Erwachsensein. Die Selbstverständlichkeit ihrer Freundschaft spiegelt sich in der Selbstverständlichkeit der Erzählhaltung der beiden Darstellerinnen. Die Inszenierung nimmt die weibliche Perspektive auf unsere „verfaulte Welt“ ein. In einem Medium, von dem wir alle wissen, wie schwer es den Jungen im Publikum fällt, sich mit weiblichen Hauptfiguren zu identifizieren, kann man gar nicht anders, als mit Nini und Jameelah ihren letzten gemeinsamen Sommer zu feiern, mit ihnen zu zweifeln und sich nie unterkriegen zu lassen.

Die Inszenierung von Catharina Fillers zeichnet sich aus durch die Genauigkeit der eingesetzten Mittel, durch die entschiedene, offene Spielhaltung der Darstellerinnen und die szenische Funktion des Musikers: Der abwesende Mann ist anwesend, hat uns aber nichts zu sagen.

Szenische Einfälle weisen über den jeweiligen Moment hinaus auf den größeren Sinnzusammenhang hin. Tampon, Tiefkühltruhen, Bettlaken. Die Alltagsprobleme der Pubertierenden stehen gleichberechtigt neben den großen politischen Themen.

tigermilch

Wir zeichnen aus mit dem ersten Preis des 32. Theatertreffens Nordrhein-Westfalen für Junges Publikum, Westwind, die Inszenierung „DAS UNSICHTBARE HAUS“, Junges Theater Münster in Kooperation mit Performing Group Köln.

Die Inszenierung besticht durch ein zwingendes Ineinandergreifen aller Theaterebenen. Der Regisseur Leandro Kees findet mit seinem Team Bilder für ein sinnliches Erleben des kollektiven Bewußtseins der Menschheit. Wir sehen Archetypen und keine Klischees: von Elternschaft und Kindheit, von Tätern und Opfern. Wir sehen Riten und gesellschaftliche Umbrüche. Biographisches Material verbindet sich mit genau recherchiertem, altersgerechtem Anthropologieunterricht. Der menschliche Körper steht im Zentrum. Die Choreographie weiß um die Ambivalenz ihrer Bilder.

DAS UNSICHTBARE HAUS“ überzeugt durch die hohe Konsequenz der eingesetzten Mittel. Kristopher Kempf vertraut mit seinem klaren, sachlichen Bühnenraum den Darstellern und ermöglicht eine durchlässige Kommunikation zwischen Spiel, Video und Publikum. Manuel Herwig, Linn Sanders und Hinnerk Schichta treffen einen glaubhaften, persönlichen Ton. Ohne psychologisches Theater zu machen, berühren sie uns. Ihr pures Spiel ist nicht nur Lecture Performance, sondern lädt theatralisch zum Denken ein. Sie sind immer sind bei sich. Und bei uns.

Inhalt und Form korrespondieren miteinander, werten einander auf – ein kluger und dabei leichter Abend. Wir sehen Genauigkeit im Großen wie im Kleinen: Einfälle und Entscheidungen im Sekundentakt bilden große Bögen. In der Dramaturgie von Julia Dina Heße geht die Inszenierung volles Risiko – und gelingt. Mit Humor und Charme.

Gewalt, Krieg und Tod werden nicht verharmlost, und dennoch bleibt Hoffnung für das Menschsein. Das Individuum wird ins Verhältnis gesetzt zur Schöpfung.

das unsichtbare haus

KLUB KIRSCHROT
KLUB KIRSCHROT entwickeln in kollektiven Arbeitsprozessen Theaterstücke für ein junges Publikum. Das WESTWIND 2017 dokumentiert KLUB KIRSCHROT als WESTWIND-Blog Team bestehend aus Rosi Böhm, Kristin Grün, Sarah Kramer und Matthias Linnemann.

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