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WESTWIND MÄRCHEN

Wir sehen uns wieder beim WESTWIND 2017

Der Sonnenschirm für ein strahlendes WESTWIND 2017 wird an des Schlosstheater Moers gereicht: Das 33. und größte Theatertreffen NRW für junges Publikum wird 2017 zu Gast am Schlosstheater Moers, im kleinsten Stadttheater des Bundeslandes, sein. Kommt vorbei vom 17.06. bis zum 23.06.2017!

Mehr Infos gibt’s hier.

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RÜCKENWIND, LEUTE!, WESTWIND MÄRCHEN

Gemeinsam sind wir stark – Der Arbeitskreis Kinder- und Jugendtheater und die deutsche ASSITEJ

Gemäß dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ formierte sich vor über 32 Jahren (so genau weiß das niemand mehr) der Arbeitskreis Kinder- und Jugendtheater NRW als als formloser Zusammenschluss der Kindertheatersparten der staatlichen Theater in NRW und ergänzte sich schnell um die Mitgliedschaften der freien Kinder- und Jugendtheater des Landes. Seitdem sieht der AK NRW die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung der verschiedenen Theater, kulturpolitische Stellungnahmen auf Landesebene als seine Aufgaben an.

Außerdem übernimmt er die konzeptionelle Planung des jährlich stattfindenden Theatertreffens NRW für junges Publikum – Westwind und die Vergabe des Festivals an die ausrichtenden Theater.

Dabei arbeitet er eng mit der deutschen ASSITEJ (Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche) zusammen. Die deutsche ASSITEJ vertritt seit 1966 die Interessen des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland, insbesondere gegenüber der Kulturpolitik. Sie versammelt die Kinder- und Jugendtheaterszene Deutschlands unter einem Dach, verleiht deren kulturpolitischen Interessen eine Stimme und hilft diese durchzusetzen. Ziel ist es, jedem Kind und jedem Jugendlichen in Deutschland die Möglichkeit zu eröffnen, mindestens zweimal im Jahr ein Kinder- und Jugendtheater zu besuchen.

Dass die zwei ältesten Interessensverbände für Kinder- und Jugendtheater Deutschlands nicht nur inhaltlich eng verbunden sind, zeigt sich auch darin, dass die Sprecherinnen des Arbeitskreises ebenfalls Mitglieder des ASSITEJ-Vorstandes sind und auf dem Westwind 2016 neben der Vorstandssitzung auch die 50-jährige Geburtstagsfeier der ASSITEJ stattfand.

Zwei Fragen an Julia Dina Heße, Sprecherin des AK NRW und Mitglied im Vorstand der deutschen ASSITEJ:

Die dt. ASSITEJ wird 50 Jahre, was wurde erreicht?

50 Jahre ASSITEJ bedeuten, dass der internationale Austausch im Kinder- und Jugendtheater nicht nur zentral, sondern programmatisch ist. Die Kinder- und Jugendtheater sind durch die ASSITEJ weltweit vernetzt. Kooperationen und Koproduktionen schaffen Räume für Experimente und künstlerischen Austausch. Und darum geht es auch in den regionalen Netzwerken, die die Mitglieder in der ASSITEJ geschaffen haben und die die Festivallandschaft aktiv gestalten. Regionale, nationale und internationale Festivals haben zum Teil schon eine lange Tradition, erfinden sich aber immer wieder neu und reflektieren so Ästhetik und gesellschaftlichen Auftrag. Das alles begleitet die ASSITEJ mit ihren Publikationen und Veranstaltungen, die den Fachdiskurs dokumentieren. Seit 50 Jahren bringen wir also in der ASSITEJ die Macher*innen zusammen, um zu fragen, was wir tun, um Theaterkunst für junges Publikum zu ermöglichen und zugänglich zu machen, um nah dran zu sein und weiter zu denken.

Was sind die Ziele des AK NRW für seinen 50jährigen Geburtstag?

Der AK NRW ist in seiner Zusammensetzung mit rund 75 Mitgliedern ja sehr besonders. Das macht die Zusammenarbeit nicht nur notwendig und manchmal auch anstrengend, weil hier viele Interessen, Bedürfnisse und Ideen aufeinanderprallen, sondern auch zu einem starken Vertreter, der die Stimmen der Einzelnen bündelt und vertritt. Das ist in der Vergangenheit gelungen und dieses Engagement und Temperament wünsche ich dem AK auch für seine Zukunft und den 50. Geburtstag, damit die Leidenschaft auch in zäheren AK-Sitzungen nicht nachlässt und die Begegnungen während des jährlichen Westwind Festivals aufregend bleiben. Freie Theater, kommunale Theater und Landestheater müssen auch in Zukunft und angesichts der neuen gesellschaftlichen Herausforderungen an einem Strang zeihen und streiten für die gemeinsame Sache des Theaters für junges Publikum. Der Auftrag lautet weiter machen, vor allem weiter produzieren, viele gute neue Stücke, Uraufführungen, deutschsprachige Erstaufführungen, spannende Bearbeitungen aktueller Stoffe und Stücke aus dem Repertoire der Kinder- und Jugendliteratur. Aber in all diesem Produzieren gilt es auch, mal inne zu halten, die eigene Situation und Rahmenbedingungen zu reflektieren und zu befragen – das muss in der Zukunft eine Rolle spielen, damit im Dialog mit den KollegInnen und vor allem mit der Politik die angemessene Finanzierung, Förderung und Sicherung der Arbeit, an der es bis heute leider oft fehlt, verhndelt und hoffentlich einmal garantiert werden kann.

Manuel
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Wie lassen sich Kinder-/Jugendliche der neuen Generation vom vermeintlich altmodischen Medium Theater begeistern? – Westwind Nachbericht

Das Medium Theater scheint, oberflächlich betrachtet, in unserer Gesellschaft mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren.
Vor allem was die jüngere Generation betrifft, haben die digitalen Medien es längst als populärstes Unterhaltungsmedium abgelöst. Im Rahmen meiner Ausbildung zum Theaterpädagogen an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg habe ich eine Theater-AG an einer Mittelschule begleitet. Knapp 30 jungen Menschen zwischen 10 und 15 Jahren sollte dort die Welt des Theaters näher gebracht werden und im Verlauf der über ein ganzes Schuljahr Workshop-Einheiten sollte mit den Jugendlichen gemeinsam ein Bühnenstück erarbeitet werden. Mir wurde schnell klar, wie wenig die Teilnehmer*innen mit diesem Medium anzufangen wussten. Für viele schien Theater eine Art „veraltetes Fernsehen“ zu sein, und die meisten hatten starke Schwierigkeiten, sich überhaupt ansatzweise auf die Thematik einzulassen.

In unserer schnelllebigen Zeit werden junge Menschen schon von früh an quasi ständig verschiedensten Reizüberflutungen ausgesetzt: Kinofilme in 3D und Super High Definition, Computerspiele die immer realistischer werden, endlose Welten an Channels und Fanseiten auf Portalen wie Youtube und Facebook für den kurzweiligen Zeitvertreib, alle nur ein paar Mausklicks entfernt, Filme werden gestreamt, noch bevor sie auf DVD erscheinen…

Mit den Möglichkeiten steigen auch die Erwartungen. Vieles, was vor zehn Jahren noch unvorstellbar war, ist heute selbstverständlich. Was man wohl uneingeschränkt behaupten kann ist, dass die heutige Jugend um einiges schwerer mit einfachen Geschichten beeindrucken ist, als damals. Und das wiederum scheint zur Folge zu haben, dass vieles, was das Kinder- und Jugendtheater zu bieten hat, gezwungen und anbiedernd wirkt…

Aufgrund dieser Überlegungen kam ich mit der Frage zum Westwind-Festival, ob und mit welchen Mitteln man Kinder und Jugendliche der neuen Generation vom Medium Theater begeistern kann.
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Doro
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Durch die Brille einer Next-Generation Stipendiatin – Nachbericht Westwind Festival 2016

Meine Erwartungen bezüglich eines Austausches innerhalb des Festivals wurden sogar übertroffen. Die Gruppe der Next- Generation Stipendiat*innen war ein Konglomerat aus verschiedensten Charakteren aus verschiedenen Professionen und Kontexten. Sehr schnell hat sich eine Vertrautheit eingestellt. Die gesehenen Produktionen wurden in unserer Runde nachbesprochen. Das Festival bot aber auch einen fruchtbaren Boden um mit Unbekannten ins Gespräch zu kommen und sich auf Augenhöhe mit Theatermacher*innen auszutauschen. So kamen spontan Gespräche zustande, bei denen der Gesprächsstoff nie ausging und jegliche Fragen gestellt werden konnten, die zuvor unter uns Next-Generations zu Tage traten. Unsere Gesprächspartner*innen berichteten von ihrer Arbeitserfahrung und persönlichen Sichtweisen, Motivationen und Anliegen zum Thema Kinder- und Jugendtheater. Gemeinsame Interessen wurden entdeckt.

Ich möchte nun näher auf meinen spezifischen Beobachtungsschwerpunkt eingehen, anhand dessen ich einige Stücke reflektieren möchte. Das Festival schafft einen Rahmen, in dem sowohl theoretisch wie praktisch durch die eingeladenen Inszenierungen eine für mich wichtige Qualität des Kinder- und Jugendtheaters verhandelt wird:

In meinen Augen stellt sich Kinder- und Jugendtheater am stärksten den Bedürfnissen seiner Zuschauenden. Unter Vorraussetzung der aktiven Zuschauerrolle testet diese Form des Theaters Mittel, die zu intuitiver und sensitiver Interpretation führen. Unter Setzung dieser Annahme nahm ich mir vor, besonders den Raum in den Fokus meiner Beobachtungen treten zu lassen, da dies in meinem Masterstudium Szenografie im Vordergrund steht. Es geht hier jedoch nicht um den Raum allein, sondern um die Verbindungen, die mithilfe des Raumes geschaffen werden. Wie kann der Raum als Mitspieler fungieren?
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Jasmin
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Welche Resonanzen bzw. Dissonanzen zwischen Sprache (Art, Einsatz) und Bühnenbild (Ästhetik, Form) waren in ausgewählten Stücken erkennbar?

Einleitend möchte ich die Begründung meiner Fragestellung erläutern, und im Anschluss auf einzelne Stücke einzugehen.

Das Interesse zur Korrelation von Sprache und Bühnenbild leitet sich aus meinem eigenen Hintergrund der bildenden Kunst, Performance und Tanz ab. Hierfür ist es wichtig zu erwähnen, dass meine eigene künstlerische Performancepraxis auf die Verwendung von Sprache oder Text verzichtet. Sie agiert auf rein abstrakter Ebene und folgt keiner Narration. Diesbezüglich war es für mich von großem Interesse, im Rahmen des Westwind Festivals 2016 das Abstrakte zu suchen. Darauf traf ich teilweise im Bühnenbild, in der es in Verbindung mit Sprache, manchmal unterstützend, gegensätzlich, oder richtungsweisend wirkte.

Diesbezüglich ergab sich für mich die Fragestellung, wie die Sprache und das Bühnenbild aufeinander reagieren, agieren, wie sie sich gegenseitig unterstützen oder einander widersprechen.
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Till
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Ästhetische Bildung als Anliegen des Kinder- und Jugendtheaters

In einem Radio-Interview wurde ich gefragt:

Was willst du im Kinder- und Jugendtheater sehen?

Ehrlich gesagt, musste ich länger überlegen. Aber vielleicht liegt es daran, dass „sehen“ auch schon eine Einschränkung ist und es für mich persönlich darum geht eben diese Einschränkungen zu hinterfragen. Es geht nicht nur um ein Sehen. Es geht vielmehr um ein Erleben. Das hat dann mit allen Sinnen zu tun und geht noch darüber hinaus. Ich will riechen, sehen, schmecken, hören, denken, benutzen, fühlen, bereuen, trauern, verstehen, verachten, beurteilen, sprechen, entdecken. Theater ist letztendlich doch ein unschlagbares Medium. Es kann mehr sein als ein Sehen. Die möglichen Formate und Ästhetiken sind zahllos und längst nicht erschöpft. Gerade im Theater für Kinder und Jugendliche würde ich mir wünschen, dass eine Vielzahl von Formen, Farben und Inhalten zelebriert wird, sodass man von Anfang an mit einem Theaterbegriff durchs Leben geht, der nichts ausschließt. Kinder sollten ins Theater gehen und sich dabei nicht sicher sein können, was dort passieren wird. Theater für Kinder und Jugendliche zu machen heißt
Verantwortung dafür zu tragen, dass Theater von Anfang an mehr sein muss, als in einem abgedunkelten Raum zu sitzen. Junges Publikum sollte dafür sensibilisiert werden, dass ins Theater gehen auch nass werden, bewegen, Bagger fahren, abstimmen, anfassen und Rätsel lösen heißen kann.
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Rebekka
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

CATCH ME IF YOU CAN ODER DIE SACHE MIT DEM FRAGENSALAT:

#ey sag mal – wie fange ich dich ein?

#wo muss ich dich abholen?

#und wo fange ich an mich dir anzubiedern?

 

Eine volle Woche liegt hinter mir. Knallvoll. Eine Woche voll Austausch, Tatendrang und zu sammelnden Eindrücken. Voller Begegnungen und Gesprächen – im Wechselspiel zwischen lockerem Smalltalk, tiefgründigem Austausch, unerwarteten Impulsgebern und offen gesinnten Ratgebern. Lauschend beobachtend, begeisterungsvoll mitdenkend, kritikvergnügt reflektierend.

Das attestiert mir nicht nur mein noch von frischen Erinnerungen übersprudelndes Gedächtnis, sondern auch meine berstende Reisetasche, samt seitenreich angewachsenem Notizbuch.

Der angeforderte Reflexionsbericht. Das Beantworten einer Frage im Kontext des Erlebten.

Na, das kann ja nicht so schwer sein, denke ich mir. Bei so vielen Fragen, die wie wir Stipendiat*innen uns eingangs gegenseitig um die Ohren und auf die Pinnwände geworfen haben und wo die Suche nach befriedigenden Antworten uns sogar nächteweise vom Schlafen ferngehalten hatte.

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Larissa
DISKUSSION & GEGENWIND, FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Das sogenannte Zeitgemäße – Ein Nachdenken über zeitgemäßes Theater für junges Publikum

Zeitgemäß.

Zeitgemäß ist ein Adjektiv.

Zeitgemäß bedeutet einer Zeit entsprechend.1

Synonyme sind: „aktuell, angesagt, auf dem neuesten Stand, auf der Höhe der Zeit, en vogue, gegenwartsnah, modern, up to date, zeitnah; (umgangssprachlich) in, trendig, trendy; (Jargon) hip; (emotional verstärkend) brandheiß, topaktuell.“2

Ist es zeitgemäß, wenn Theater für junges Publikum moralisch ist? Ist es zeitgemäß, wenn digitale Medien auf der Bühne zum Einsatz kommen? Inwiefern können Kostüme zeitgemäß sein? Ist viel Glitzer zeitgemäß? Welche Sprache ist zeitgemäß? Welche Ästhetik ist zeitgemäß? Sind Kooperationen zeitgemäß?

Die Diskussion zum Thema „zeitgemäß“, die wir im Rahmen des next generation Programms auf dem WESTWIND Festival – Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW 2016 begannen, führte uns in viele verschiedene Richtungen und bisweilen auch nirgendwohin. Bereits die Verständigung darüber, was wir unter dem Begriff „zeitgemäß“ verstehen, gestaltete sich als schwierig. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb begleitete uns diese Frage über das gesamte Festival. Wir wollten einen Austausch und versuchten mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Das war stets eine spannende Herausforderung und gelang uns mal besser, mal schlechter. Vielleicht hing das auch mit dem seit mehreren Jahren kursierenden Gerücht zusammen, die „Nextis“ (wie wir liebevoll genannt wurden) würden Gesehenes meist recht kritisch beäugen und ihr Verständnis von zeitgemäßem Theater für junges Publikum sei zu utopisch.

Diese Befürchtung kann ich gut nachvollziehen, denn sie stimmte – zumindest teilweise. Denn ist es nicht unsere Pflicht und unsere Daseinsberechtigung als next generation kritisch und utopisch zu sein? Ich begann mich mehr und mehr zu fragen, ob meine Vorstellung von zeitgemäßem Theater für junges Publikum wirklich utopisch war. Und wenn ja, was daran.

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DISKUSSION & GEGENWIND, RÜCKENWIND, LEUTE!

Tischgespräch: Arbeitsbedingungen am Theater

Die Situation ist allgemein bekannt: In der freien Szene ist es das ewiges Jonglieren und Kämpfen um Fördergelder, was oft genug in (Selbst-) Ausbeutung mündet und auch die Situation an Stadttheatern ist nicht rosig. Künstler*innen sollten in der Lage sein, mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Dieser, im Programmheft des westwind 2016 formulierten Problematik, wurde im Rahmen eines Tischgespräches Raum gegeben. Dazu war Tatjana Poloczek von der „Vereinigung kulturpolitischer Schauspieler“ eingeladen, die zu Beginn des Gesprächs ihre Arbeit vorstellte. Die „Vereinigung kulturpolitischer Schauspieler“ steht für eine bessere Behandlung und Bezahlung der Schauspieler in der freien Szene und setzt sich vor allem im Raum Köln ein. Die Arbeit der Gruppe setzt sich aus zwei hauptsächlichen Schwerpunkten zusammen: Zum einen wird öffentlich Aufmerksamkeit geschaffen für die präkeren Arbeitssituationen, in denen Schauspieler*innen tätig sind; zum anderen wird sich in Treffen über die persönlichen Arbeitsverhältnisse und Erfahrungen in diesen ausgetauscht. Schnell kamen sie in diesen Gesprächen zu der Feststellung, dass dies keineswegs rein persönliche Schwierigkeiten sind, sondern strukturell in der deutschen Theater und Kulturlandschaft verankerte Missstände und kulturpolitischer Probleme. Doch was ist es denn nun, das eigentliche Problem?
Auf der Homepage des ensemble-netzwerkes wird die dies sehr konkret formuliert:

ES WIRD ZU VIEL PRODUZIERT. IN ZU KURZER ZEIT. MIT ZU WENIG LEUTEN. UND ZU WENIG GELD. Momentan stehen die Theaterleitungen unter dem Druck der Auslastungszahlen, Sparmaßnahmen und Zielvereinbarungen, was auf die Mitarbeiter*innen massive Auswirkungen hat.

Als Reaktion auf diesen Zustand findet vom 27. bis zum 29. Mai die Ensemble-Versammlung organisiert vom ensamble-netzwerk statt. Hier wird erstmals auf bundesweiter Ebene unter Theaterschaffenden und vor allem Schauspieler*innen über deren Arbeitsbedingungen diskutiert und Möglichkeiten zur Veränderung entwurfen:

Auf das wir in ein paar Jahren am probenfreien Samstag in der Hängematte sitzen, daran denken wie gut unsere Kinder gestern bei der Vorstellung mit städtischer Unterstützung betreut wurden, wie schön es ist, den besten Beruf der Welt zu
haben und davon anständig leben zu können!

Die Eröffnungsrede zur Veranstaltung von Lisa Jopt ist ein empfehlenswerter Gedankenanstoß und über diesem Text zu finden.

Beim Tischgespräch traten zentrale Wünsche der Anwesenden hervor. Da steht die unbedingte Forderung nach einer angemessenen Bezahlung der eigenen Arbeit, weiterhin die eines schärferen Bewusstseins der Zuschauenden und Theaterarbeitenden für die Arbeitsverhältnisse und Solidarität im Bewusstsein darüber und Einsatz dafür, dass es bessere Arbeitsbedingungen geben muss. Und nicht zuletzt die Forderung nach mehr Transparenz: In der Verteilung der Gelder sowie in den eigenen Gagen – den Kolleginnen, den Stiftungen und den Zuschauenden gegenüber. Und die dringende Notwendigkeit, diese Bedürfnisse politisch vertreten zu sehen.

Eine weitere aufschlussreiche Initiative zu dieser Thematik: art but fair

FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Meeting Natascha Grasser

Natascha Grasser zieht meinen Namen aus dem Hut. „Ah“, denke ich, „also bleiben wir heute Abend beim Deutsch.“ Sie kommt aus Österreich. Ich frage sie über ihre Arbeit aus.
Sie ist auf der Suche nach Qualitätskriterien für Kinder- und Jugendtheater, sagt sie. Doch geht es ihr nicht allein um die Produktion für die Zielgruppe, sondern auch um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Sie ist sowohl als Regisseurin als auch Leiterin einer Theaterschule tätig. Eine Art Äquivalent zur Musikschule, wie wir sie auch in Deutschland kennen, erklärt sie mir.

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FRISCHER WIND: NEXT GENERATION, WESTWIND MÄRCHEN

.stehtisch-impressionen. – Rebekka Gebert im Gespräch mit Dina El Deeb

Menschen um uns prosten sich zu und die Musik wird lauter. Die Assitej feiert sich mit einer riesigen Sahnetorte.

Dazwischen: Wir.

Wir unterhalten uns schon eine ganze Weile – seit uns der Lostopf auf der Bühne glücklicherweise zusammen geführt hat. Langsam aber wird das schwierig, so über die Musik hinweg. Es ist spannend, was Dina zu erzählen hat. Sie fragt nach der Darstellung der politischen Situation ihres Heimatlandes Ägypten in der deutschen Presse. Ich frage nach der genauen aktuellen Lage und schnell sind wir bei einem interessanten Gespräch über das hohe Gut der Freiheit von kreativen Äußerungen. Über die kraftvolle Verbindung künstlerischer Mittel mit sozialer bzw. politischer Aktion. Und auch darüber, wie auf Grund von Zensur Künstler mittlerweile andere Wege und Plattformen finden müssen, um ihre Kunst überhaupt erfahrbar zu machen. Auf einmal wirkt das hier alles ein bisschen surreal auf mich: Neben unseren Tellern bunte Tüten mit Lollis und Brause. Prickelnde Ausgelassenheit zum Festivalbeginn – unbeschwert und tanzlustig. Ich schaue zur bunten tanzenden Menge und frage mich, ob nicht in jedem Menschen der naive Wunsch nach ein bisschen Kindergeburtstags-Leichtigkeit steckt?! Ich gucke wieder zu Dina el Deeb, die sich hier mit mir nun also einige Tage in einer politischen und künstlerischen Komfortzone bewegen wird. Eine Festivalblase, in der staatliche Förderungen und gemeinsame Vernetzungen zum selbstverständlichen Tagesthema gehören.

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FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Meat and Greet Niclas Malmcrona

NiclasKleine Theaterverrückte trifft auf weit gereisten Theaterkenner

Niclas Malmcrona zieht einen Zettel und sagt: Anaela Dörre…

…ich bin sofort total aufgeregt und bekomme anfangs kaum ein sinnvolles Wort über meine Lippen. Meine Aufgabe sollte doch sein den internationalen Gast zu integrieren und jetzt ist mein Gast der Direktor der Assitej von Schweden und kennt 100mal mehr Menschen in diesem Raum als ich… schnell wird klar, dass wenn einer wen integrieren kann, dann wohl eher er mich. Ganz der Gentleman holt er für uns beide ein Bier und erzählt mir von seinen vielen Reisen um die Welt im Auftrag der Assitej. Er erzählt davon welche Unterschiede das Kinder- und Jugentheater z.B. in Amerika zu dem in Europa hat und was in Afrika und Asien gespielt wird. Er selbst war in seinem Leben schon auf hunderten von Kinder- und Jugendtheaterfestivals auf der ganzen Welt und auf meine Frage, was er sich wünschen würde zu sehen, sagt er:

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FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

Meat and Greet Didacienne Nibagwire

Schon auf der Bühne konnte ich erspähen, dass Didacienne Nibagwire aus Ruanda meinen Namen aus dem Lostopf gezogen hat und somit meine Gesprächspartnerin für den Abend werden sollte. Nachdem Sie meinen Namen vorgelesen hat und sich umschaut, winke ich vom hinteren Ende der Bühne und murmle die Worte, die ich mir schon vorher im Mund zurechtgelegt habe: Right over here.

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FRISCHER WIND: NEXT GENERATION

international guests meet next generation

„hello“
„hi“, kurze akwardness auf der Bühne, vor allem meinerseits, ich fühle mich wie in diesem arrangiertem Date, dann ist es aber voll okay tatsächlich, vielleicht sollte ich arrangierte Dates auch mal ausprobieren.

Jayne Batzofin aus Südafrika, ist Regisseurin, Ausstatterin, Clownin und macht Theater für Gehörlose. Sie hat eine ruhige und offene Ausstrahlung, die ich oft mit Menschen verbinde die viel Yoga machen und sich vegan ernähren. Sie isst dann aber Chicken.
„I listen to what my body needs“, verrät sie mir.

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